<iframe src="//www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-5SZQR4" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Für manche ist es ein einzigartiges Lebensgefühl, andere finden es einfach praktisch. Viele gönnen es sich ein oder zwei Mal im Jahr, andere fast jedes Wochenende – Beweggründe und Häufigkeit unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Nur eines haben wir alle gemeinsam: Wir alle lieben sie, die Ausfahrt mit dem Wohnmobil. Ebenso breit gefächert sind die länderspezifischen Camping-Klischees, die wir alle kennen: Die Holländer sollen tagtäglich mit ihren Wohnwagen durch die Gegend fahren, in den USA in jeder Garage ein XXL-Luxuscamper stehen. Und wir Deutschen verreisen selbstverständlich nur im klassischen VW Bulli. Doch wie sieht die Campingwelt wirklich aus? Wird die Freiheit auf Rädern immer beliebter oder ist Camping schon wieder „out“? Wo wohnen eigentlich die größten Wohnmobilisten? Und welche Reisemobile und Caravans sind am beliebtesten? Wir haben uns die Zahlen und Statistiken ein wenig genauer angesehen, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen.

Wohin geht der Trend im Wohnmobilmarkt?

Die deutsche Camping Geschichte begann in den 1970er-Jahren mit der Geburt des VW Bullis, in den 90er Jahren erlebte sie in ganz Europa ihren Höhepunkt. Anschließend sorgten zwei Wirtschaftskrisen, gestiegene Benzinpreise und günstigere Langstreckenflüge für eine vorrübergehende Flaute auf dem europäischen Wohnmobilmarkt. In Nordamerika sah der Trend ganz ähnlich aus. Die Amerikaner begannen später, etwa in den 1980er Jahren, ihren Urlaub in immer größer werdenden Reisemobilen zu verbringen. Der Trend stieg schnell an, doch auch in den USA und Kanada verleiteten steigende Benzinpreise und Wirtschaftskrisen immer mehr Menschen dazu, sich von ihren Campingmobilen zu verabschieden.
Neuzulassungen Nordamerika und Europa
Quelle: Caravaning Industrie Verband (CIVD): Freizeitfahrzeuge Weltweit/ http://bit.ly/1OYjWcj
Zum Ende der letzten Wirtschaftskrise standen Europa und Nordamerika dem Thema Camping etwa gleichermaßen gegenüber: beide Kontinente ließen nach Zahlen des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD) im Jahr 2009 rund 160.000 neue Wohnmobile zu – der höchste Wert seit fast 10 Jahren. Anschließend zeigen sich allerdings gravierende Unterschiede zwischen den beiden Camping-Regionen. Europa schaffte es bis 2013 nicht mehr, die Marke von 160.000 Neuzulassungen zu erreichen. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung im Jahr 2011 ging die Zahl der Neuzulassungen steil bergab. 2013 wurden schließlich nur rund 138.000 Wohnmobile zugelassen. Das sind knapp elf Prozent weniger als noch vier Jahre zuvor.

Die Marktentwicklung in Übersee

Ein ganz anderes Bild zeichnet der Trend in Nordamerika: hier erreichte die Zahl der Reisemobil-Neuzulassungen jedes Jahr einen neuen Rekordwert. Im Jahr 2013 waren es schließlich über 320.000 neu zugelassene Wohnmobile – ganze 94 Prozent mehr als noch 2009. Während sich Nordamerika und Europa zum Ende des vergangenen Jahrzehnts noch auf einem ähnlichen Niveau befanden, ließen Amerikaner 2013 fast zweieinhalb mal so viele neue Wohnmobile zu wie die Europäer.
Zugelassene Wohnmobile Europa absolute Zahlen
Quelle: European Caravan Federation: Motor Caravans in use in Europe / http://bit.ly/1LOmcs1
Über die Gründe hierfür kann man leider nur spekulieren. Einer der Hauptgründe wird vermutlich die unterschiedliche wirtschaftliche Lage der beiden Kontinente darstellen. Während die große Wirtschaftskrise von 2006 bis 2008 in Amerika schnell wieder vergessen war und die Konsumfreude erneut aufflammte, sah man in Europa wesentlich vorsichtiger in die Zukunft – hohe Kredite für teure Neuanschaffungen wollte man lieber meiden. Hinzu kommen die Probleme der Eurokrise, die viele südeuropäische Camping-Nationen wie Spanien und Griechenland noch heute vor große wirtschaftliche Probleme stellen. Anders als in den USA ist die Wirtschaftskrise dort noch nicht überwunden, die Arbeitslosenzahlen erreichen weiterhin Höchststände.

Camping-Nation Europa – Wo leben die Camper?

Doch nicht ganz Europa hat dem Wohnmobilurlaub den Rücken zugekehrt, manche Länder erfreuten sich sogar eines wahren Reisemobil-Booms. In Deutschland beispielsweise lebten nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes im Jahr 2015 über 20 Prozent mehr Wohnmobil-Besitzer als noch fünf Jahre zuvor. Werfen wir deshalb einen genaueren Blick auf die einzelnen Länder Europas. Ein Vergleich der absoluten Zahlen zeigt zunächst keine großen Überraschungen. Ganz vorne auf der Liste der europäischen Länder mit den meisten zugelassenen Reisemobile stehen nach Zahlen der European Caravan Federation die Nationen mit den meisten Einwohnern: Hinter Deutschland auf Platz 1 mit rund 450.000 Wohnmobilen folgen Frankreich (420.000), Italien (207.000) und knapp dahinter Großbritannien (205.000).
Wohnmobile Europa je 10.000 Einwohner
Quelle: European Caravan Federation: Motor Caravans in use in Europe / http://bit.ly/1LOmcs1
Eine ähnliche Reihenfolge gilt für die absolute Änderungsrate, also die Zahl an neu zugelassenen Wohnmobilen: In Deutschland meldeten im Jahr 2014 rund 25.800 Camper ein neues Reisemobil an, in Frankreich waren es knapp 15.500, in Großbritannien 8.750. Hier zeigt sich allerdings schon die erste Überraschung: Mit fast 4.000 Neuzulassungen konnte Schweden Italien (3.400) 2014 erstmals von Platz 4 verdrängen – und das, obwohl Italien über fünf Mal so viele Einwohner zählt wie Schweden. Ein Blick auf die relativen Zahlen, also die Anzahl zugelassener Wohnmobile pro 10.000 Einwohnern, zeigt: Die europäischen Camping-Nationen liegen im Norden!

In Finnland leben die größten Camper

Platz 1 der europäischen Länder mit der größten Wohnmobil-Dichte belegt Finnland. Von 10.000 Einwohnern sind hier rund 92 stolze Besitzer eines Reisemobils. Auf Platz zwei folgt Schweden (78) und erst weit dahinter Frankreich (63) und schließlich Deutschland (56) auf Platz vier.
Basisfahrzeuge Deutschland Chart
Quelle: Kraftfahrtbundesamt: Bestand an Wohnmobilen nach ausgewählten Herstellern/http://bit.ly/1QDIixA
Großbritannien und die Niederlande, die zumindest den Klischees nach als Europas größte Camping-Nationen gehandelt werden, belegen nur hintere Plätze. Die Niederländer schaffen es mit rund 51 zugelassenen Campingmobilen pro 10.000 Einwohnern hinter Deutschland auf Platz 6, Großbritannien landet mit 32 Reisemobilen noch hinter Italien (34,5) nur auf Platz 10.

Welche Reisemobile und Caravans fahren die Deutschen?

Einst war Deutschland mit dem VW Bulli weltweiter Vorreiter des mobilen Urlaubs, die Freiheitsbewegung der 1960er Jahre und der Ideenreichtum von Volkswagen und Westfalia beflügelten die weltweit wachende Camping-Community zur Entwicklung immer größerer Wohnmobile. Auch heute noch zählt Deutschland zu den größten Reisemobil-Nationen – ihre Vorreiter-Rolle hat die Bundesrepublik aber verloren. Die größten Absatzmärkte wie auch die größten Wohnmobil-Modelle finden sich heute in den USA, in Europa haben Skandinavien und Frankreich die Deutschen in der Liebe zum Urlaub auf Rädern überholt.
Wohnwagenmarkt Marktanteile Deutschland
Quelle: Kraftfahrtbundesamt: Bestand an Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern, S. 654f./ http://bit.ly/1YFGea5
Doch wie sieht es mit der Treue zur heimischen Produktion aus? Greifen die deutschen Camper immer noch vorrangig auf „regional erbaute“ Freizeitfahrzeuge zurück? Ein detaillierter Blick auf den deutschen Wohnmobilmarkt zeigt: Die Camper aus der Bundesrepublik fahren am liebsten italienisch. Die Marke Fiat ist mit über 46 Prozent Markanteil unangefochtener Marktführer bei den Basisfahrzeugen der in Deutschland zugelassenen Wohnmobile. Darunter ist vor allem der Fiat Ducato besonders beliebt. Auch viele deutsche Reisemobil-Hersteller greifen gerne auf den Ducato als Basisfahrzeug zurück. Erst dahinter folgt Volkswagen mit einem Anteil von knapp 22 Prozent am deutschen Wohnmobilmarkt, Platz drei belegt Daimler mit fast 10 Prozent Marktanteil.

Der Wohnwagen-Markt in Deutschland

Der deutsche Wohnwagen-Markt dagegen befindet sich fest in der Hand deutscher Caravan-Hersteller. Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes zeigen: Von den über 600.000 Wohnwagen, die zum 01. Januar 2015 in Deutschland zugelassen waren, stammt über ein Viertel aus einem Werk des bayerischen Herstellers Knaus Tabbert.
Neuzulassungen Europa
Quelle: CIVD: Reisemobil Neuzulassungen Europa / http://bit.ly/21VrQQs
Den zweiten Platz belegen mit knapp 17 Prozent Marktanteil die Hobby-Wohnwagen aus Schleswig-Holstein, dahinter folgen der schwäbische Hersteller Fendt (9 Prozent) und Bürstner (8 Prozent) aus Baden-Württemberg.

Deutschland und der Rest der Welt – Wo ist Camping auf dem Vormarsch?

Ein weltweiter Marktvergleich mit Zahlen des CIVD zeigt: Nordamerika und Europa sind nach wie vor die größten Camping-Regionen – und wachsen auch am schnellsten. Mit etwas mehr als 6 neu zugelassenen Wohnmobilen pro 10.000 Einwohnern im Jahr 2013 schaffen es die Nordamerikaner auf den zweiten Platz der am schnellsten wachsenden Reisemobil-Märkte. Deutschland steht knapp dahinter mit rund 3,1 Neuzulassungen pro 10.000 Einwohnern. Dahinter folgen weit abgeschlagen Südafrika (0,8) und Japan (0,4). Dem chinesischen Wohnmobilmarkt wurde zwar zuletzt viel Wachstumspotenzial nachgesagt – sowohl in absoluten (1300 Neuzulassungen) als auch in relativen Zahlen (0,01 pro 10.000 Einwohner) konnte sich das Wachstum des chinesischen Wohnmobilmarktes bis einschließlich 2013 nicht mit dem der anderen Camping-Nationen messen.
Wohnmobil Neuzulassungen weltweit
Quelle: Caravaning Industrie Verband (CIVD): Freizeitfahrzeuge Weltweit/ http://bit.ly/1OYjWcj
Ähnliche Unterschiede zeigt die Entwicklung der Wachstumsrate im Zeitraum von 2009 bis 2013: Während die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland und den USA stetig zunahm (30% in Deutschland, 49% in Nordamerika), blieben die Wachstumszahlen in Japan, Südafrika und China über die gesamte Zeit mehr oder weniger gleich. Überraschend weit vorne zeigen beide Statistiken Wohnmobil in Australien mieten: Mit 28.000 Neuzulassungen konnten die Australier Deutschland im Jahr 2013 übertreffen, in relativen Zahlen stellt Australien mit über 12 Neuzulassungen pro 10.000 Einwohnern sogar die USA in den Schatten.

Australien – Ein statistischer Sonderfall

Allerdings stellt der Australische Wohnmobilmarkt einen Sonderfall dar: Obwohl die (relativen) Neuzulassungen Jahr für Jahr internationale Rekordwerte erzielen, hat sich am australischen Wohnmobil-Bestand nicht viel geändert. Der Grund dafür sind vorrübergehende Zulassungen, wie sie in Australien besonders häufig vorkommen. Die CIVD-Statistik erfasst nur Reisemobile, die mindestens ein Jahr angemeldet sind – Saison-Anmeldungen, beispielsweise während der Sommermonate, sind in der Statistik somit nicht aufgeführt.
Wohnmobilzulassungen nach Einwohnern Länder
Quelle: Caravaning Industrie Verband (CIVD): Freizeitfahrzeuge Weltweit/ http://bit.ly/1OYjWcj
Die meisten Wohnmobil-Reiseziele wie Kanada, die USA oder die skandinavischen Länder sind im Winter nur schwer mit Reisemobil zu bereisen. Touristen sind hier deshalb nur maximal zwei bis drei Monate unterwegs, ihre gemieteten oder saisonal zugelassenen Reisemobile tauchen in der Statistik nicht auf. Australiens Campingplätze dagegen sind wegen des warmen Klimas ganzjährig geöffnet. Vor allem junge Camper nehmen sich deshalb häufig ein ganzes Jahr Zeit, um den Kontinent im Reisemobil zu entdecken und kaufen sich dafür ein eigenes Reismobil vor Ort, um es nach dem Reisejahr wieder zu verkaufen. Zahlreiche australische Wohnmobile, die jedes Jahr den Besitzer wechseln, werden somit Jahr für Jahr aufs Neue in der Zulassungs-Statistik aufgeführt. Titelbild: edited from @helloolly/http://bit.ly/21qH766/CC0/http://bit.ly/1lyJtlE