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Ein neues Wohnmobil ist nicht gerade günstig. Wer sich seinen Traum vom eigenen Reisemobil dennoch erfüllen möchte, hält Ausschau in Gebrauchtwagen-Anzeigen. Besonders günstige Angebote finden Suchende häufig bei Privatpersonen – allerdings geht der rechtliche Käuferschutz bei Verträgen mit Privatpersonen nicht so weit wie bei gewerblichen Händlern.

Eines dieser Tücken bei privaten Gebrauchtwagen-Verkäufern ist die sogenannte „Gekauft wie gesehen“-Regel. Diese schließt eine nachträgliche Haftung des Verkäufers für Mängel, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind, aus. Das bedeutet: Hat das Fahrzeug einen Schaden, der bei der anfänglichen Besichtigung nicht zu erkennen war, hat der Käufer kein Recht auf eine Rückerstattung des Kaufpreises.

Gerichtsverfahren nach offenkundigem Betrug

Dass Geschäfte mit Privatpersonen rechtlich schwierig werden können, musste im Dezember 2014 ein Paar aus Ruppichteroth bei Bonn in Nordrhein-Westfalen schmerzlich erfahren. Ein günstiges Angebot für ein gebrauchtes Wohnmobil entpuppte sich auf der Fahrt nach Hause als Reinfall.

Wie der Bonner General-Anzeiger berichtet, stießen die beiden bei der Suche im Internet auf ein Wohnmobil mit einer angeblichen Motorleistung von 110 kW für einen Kaufpreis von 19.000 Euro. Der Verkäufer mit Sitz in Hessen sei, so gab dieser beim telefonischen Vorgespräch an, der offizielle Vertreter einer größeren und angesehenen Gebrauchtwagen-Firma.

Als das Käuferpaar schließlich das Wohnmobil in Empfang nehmen wollte – der Vertrag wurde ihnen zuvor bereits per Fax zugeschickt und war schon längst unterschrieben – wurden sie das erste Mal stutzig. Der Verkäufer gab sich nun nicht mehr als Händler aus, sondern stellte sich als Vermittler eines privaten Verkäufers vor – Rechtsexperten erkennen hier sofort: Auf ein Widerrufsrecht, wie es in der Regel bei Kaufverträgen mit gewerblichen Händlern gilt, muss das Käuferpaar nun automatisch verzichten.

Damit aber noch nicht genug: Auf der Heimfahrt wundern sich die Neu-Wohnmobilisten über die mangelhafte Leistung des Camper-Motors. Ein Blick in den Fahrzeugschein gibt Aufschluss: Statt der angeblichen 110 kW stehen dort nur 85. Noch dazu verlangt die Motorkontrollleuchte noch auf der Heimfahrt einen sofortigen Besuch in der Werkstatt.

Autohandel

Gekauft wie gesehen – Ungültig bei unwahren Aussagen

Die gekauft wie gesehen Regel birgt diverse Gefahren für Gebrauchtwagen-Käufer: Nicht jeder Schaden ist bei einer Besichtigung sofort zu erkennen, nicht einmal bei einer kurzen Probefahrt. Wird ein Schaden erst später sichtbar, ist der private Verkäufer dafür nicht mehr zu belangen – ob dieser nun vom Schaden wusste oder nicht.

Das Käufer-Paar aus Ruppichteroth hatte trotz allem aber Glück im Unglück – bei unwahren Aussagen und arglistiger Täuschung verliert die gekauft wie gesehen-Regel ihre Gültigkeit. Rein rechtlich hätten sie somit ein Anrecht auf eine Entschädigung bzw. die Rückabwicklung des Kaufvertrages.

Weil der Verkäufer jede Rückzahlung verweigert, zogen die beiden nun vor Gericht. Rechtsexperten bescheinigen ihnen objektiv zwar gute Chancen auf einen Sieg im Prozess – auf ihr Geld werden die beiden allerdings wohl dennoch verzichten müssen. Der Verkäufer hat nun Insolvenz angemeldet und kann somit nicht in vollem Ausmaß belangt werden.

Rechtsexperten raten deshalb: Vorsicht beim Gebrauchtwagenkauf. Gebrauchte Fahrzeuge, ob Wohnmobile oder PKW, locken zwar mit attraktiven Preisen. Schäden, die nicht sofort erkannt werden, können das Käuferglück jedoch schnell zunichte machen.

Wichtig deshalb: Kaufen Sie kein Fahrzeug ohne eine Probefahrt und nehmen Sie zur Fahrzeugbesichtigung fachkundige Unterstützung mit. Bestehen Sie außerdem darauf, die gekauft wie gesehen-Regel aus dem Vertrag entfernen zu lassen.

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