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Der Wohnmobilhersteller Dethleffs aus dem bayerischen Allgäu stellt seinen Camper mit Elektromotor und Solarstrom vor. Ist die Camping-Welt bereit für diese Revolution?

Im Sommer 2017 ging ein Aufschrei durch Deutschland – droht Dieselfahrzeugen das Fahrverbot in Innenstädten? Stuttgart will ab 2018 den meisten Diesel-Fahrzeugen die Einfahrt verbieten, weitere Großstädte wollen folgen. Doch nicht nur Berufspendlern und Anwohnern bereitet die drohende Verbotswelle Kopfzerbrechen. Auch die Camping-Gemeinde bleibt von diesen Sorgen nicht unberührt. Denn ein Großteil der in Deutschland zugelassenen Wohnmobile fährt mit Dieselmotor. Nur die allerneusten Modelle erfüllen die Euro 6 Norm, die wohl auch weiterhin die Fahrt in deutsche Innenstädte erlauben wird – zumindest vorerst.

Ob ein Dieselverbot nun in immer mehr deutschen Großstädten kommen wird oder nicht lässt sich derzeit nur mutmaßen. Eines steht aber auf jeden Fall fest: weder Diesel – Euro 6 oder nicht – noch Benziner sind der Weg in die Zukunft. Vielmehr sehen Politik, Umweltverbände und Hersteller die Zukunft im Elektromotor, der sogenannten E-Mobility.

Frontansicht des Elektro-Wohnmobils von Dethleffs

Während die Pkw-Industrie schon zu streiten beginnt, wer Vorreiter in Sachen E-Mobility sein wird, hielten sich die Wohnmobil-Hersteller zu diesem Thema bislang eher bedeckt. Elektromotor und die unendliche Freiheit des Campings – nur schwer vorstellbar. Oder doch nicht? Auf dem Caravan Salon 2017 sorgte Dethleffs für besonderes Aufsehen. Sie stellten das bislang erste Konzept für einen reinen Elektro-Camper vor.

Das Konzept des E-Wohnmobils ist innovativ, keine Frage. Doch funktioniert das auch im Alltag? Lassen sich die „alten Hasen“ unter den Campern zum sauberen Reisemobil mit kleiner Reichweite und leisem Motor begeistern?

Spannende High-End Technologie – Das kann das Elektro-Wohnmobil

Der von Dethleffs entwickelte Camper namens e.home hat sich ganz und gar dem Strombetrieb verschrieben. Und das gilt nicht allein für den Motor. Auch sämtliche Geräte im Wohnraum sollen im Camper der Zukunft statt mit Gas mit Strom betrieben werden. Doch fangen wir erst einmal mit dem drängendsten Thema an – dem Antrieb.

Im Iveco Daily Electric Chassis des e.home. besorgt ein Dreiphasen Drehstrommotor mit 80 kW Leistung und Wasserkühlung die Fortbewegung. Dieser Elektromotor wird von mehreren 400 V Batterien betrieben, die sich bis zu 1.500-mal aufladen lassen. So schafft der e-home rund 250.000 Kilometer bis zum ersten Batterien-Wechsel – für ein Urlaubsgefährt absolut ausreichend.

Leider eignet sich der Vorreiter des Elektro-Campings noch nicht für allzu weite Fahrten. Eine Akku-Ladung reicht für etwa 170 bis 200 Kilometer. Danach muss der Camper für ein paar Stunden neu aufladen. Wer jedoch ohnehin nur kurze Trips plant und gerne ausgedehnte Wanderpausen einlegt, sollte sich davon nicht stören lassen.

Die hochwertigen Akkus des e.home versorgen darüber hinaus auch den Wohnraum mit Strom. Neben den gängigen Geräten wie Wasserkocher, Kühlschrank und Co., die bei den meisten neuen Wohnmobilen an der Autobatterie hängen, will Dethleffs nun auch in Sachen Kochen und Heizung auf Strom statt Gas bauen.

Vor allem das Heizen des Wohnmobils benötigt sehr viel Energie. Um dennoch einen Strombetrieb zu ermöglichen, haben die Hersteller moderne Latent-Wärmespeicher-Platten verbaut, die tagsüber Wärme aufnehmen und diese nachts wieder abgeben. Hinzu kommen mehrere Heizelemente in Boden, Wand und Möbeln, die mittels Infrarot-Wärmewellen den Innenraum günstig und effizient erwärmen. Das senkt den Energieverbrauch und macht es möglich, sogar das Heizsystem des Campers mit Strom zu versorgen.

Strom von oben – Energie tanken ohne Steckdose

Eines der größten Probleme der E-Mobility ist die mangelnde Infrastruktur. Weil die Elektro-Akkus auf dem heutigen technologischen Stand noch keine allzu große Reichweite schaffen, braucht es auch unterwegs ausreichend Möglichkeiten, das Fahrzeug wieder „aufzutanken“. Die nötigen Ladestationen werden aber nur langsam nachgerüstet. Noch fällt es Elektro-Fahrzeugen vielerorts schwer, eine Steckdose zu finden.

Während die Fahrer von Elektro-Autos auch weiterhin nach Ladestationen Ausschau halten müssen, genügt es für Elektro-Camper, sich ein sonniges Plätzchen zu suchen. Denn der e.home lädt seine Akkus mit Solarstrom! Auf seinem Dach und an den Seiten wurde der Camper mit insgesamt 31 Quadratmetern modernster Solarfolie ausgestattet. Die darauf befindlichen Dünnschicht-Solarzellen schaffen eine Leistung von ca. 3.000 Watt.

Sprich: Egal ob unterwegs oder auf dem Campingplatz, das Gesamtpaket des e.home ermöglicht ein nahezu autarkes Leben. Motor wie auch Wohnausstattung beziehen ihre Energie automatisch, vorausgesetzt natürlich, es scheint die Sonne. Wer bei Wind und Regenwetter zum Camping fährt, kommt um einen Halt an der Steckdose wohl dennoch nicht vorbei.

Das Elektro Wohnmobil mit Solarzellen von Dethleffs in Vollansicht

Trotzdem – der e.home aus dem Hause Dethleffs ist definitiv eine wichtige Revolution des Wohnmobilmarktes, die es lohnt, weiter zu verfolgen. Denn fangen mehr Hersteller an, auf das Elektro-Konzept im Camper zu setzen, werden auch viele Campingplätze den Weg in die E-Mobility mitgehen. Sind die Steckdosen auf den Campingplätzen erst einmal zu funktionstüchtigen Ladestationen umgerüstet, versprechen Elektro-Camper ein sorgenloses Camping bei jedem Wetter. Kommen dann noch die staatlichen Investitionen in die E-Mobility Infrastruktur zum Tragen, steht auch dem langen Road-Trip im e.home nichts mehr im Wege.

Eines steht schließlich fest: langfristig sind Diesel- und Benzin-Motor keine Lösung, auch nicht im Camping-Bereich. Was der e.home vormacht muss von anderen Herstellern angenommen, umgesetzt und weiterentwickelt werden, um auch in hundert Jahren noch einen „Urlaub auf Rädern“ zu ermöglichen.

Bilder: @Dethleffs