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   Autor: Gerfried Reis


Egal ob Miete oder Kauf: Neueinsteiger fühlen sich bei der ersten Wohnmobil-Auswahl oft schier erschlagen von der Fülle an Informationen, den vielen Fachbegriffen und den unzähligen Entscheidungen, die es bei der Wohnmobil-Wahl zu treffen gilt. Ein Wohnmobil ist schließlich nicht nur ein Fahrzeug, sondern auch eine kleine Wohnung. Entsprechend komplex sind die Überlegungen, die zum passenden Wohnmobil für die eigenen Ansprüche führen. In diesem Artikel wollen wir eine kompakte Anleitung für die problemlose Wohnmobil-Auswahl bieten.

WOHNMOBIL MIETEN & DURCHSTARTEN

Die Wohnmobil-Auswahl ist ein Kompromiss

Die Auswahl fällt leichter, wenn man sich von der Vorstellung verabschiedet, das perfekte Wohnmobil finden zu wollen. Denn das perfekte Wohnmobil gibt es (leider!) nicht. Wer zum Beispiel mehr Komfort und Stauraum möchte, und deshalb ein größeres Wohnmobil wählt, muss ein Stück weit auf Flexibilität (und das Befahren schmaler Straßen) verzichten. Wer eine großzügigere Nasszelle möchte, muss dafür Raum abtreten, und schläft dann zum Beispiel in einem schmäleren Bett. Beim Wohnmobil gibt es keinen Vorteil ohne Nachteil. Es gilt, den besten Kompromiss für die eigenen Anforderungen zu finden.

Deine Anforderungen sind wichtig

Auch, wenn der Camping-Kollege begeistert von seinem perfekten Wohnmobil erzählt: Das gilt erstmal nur für seine, höchst individuellen Anforderungen. Bevor du also das gleiche Wohnmobil auswählst, gilt es unbedingt, die Anforderungen zu vergleichen. Denn wenn sich deine Vorstellungen nicht decken, dann kann das perfekte Wohnmobil auch schnell zur unpraktischen Notlösung werden.

Deine Vorstellungen und Kriterien definieren

Am besten, du startest den Auswahlprozess mit einer schriftlichen Aufstellung deiner Vorstellungen:

  • Wohin willst du reisen?
  • Wann willst du reisen?
  • Wie oft und wie lange wirst du reisen?
  • Wer reist mit dir?
  • Was möchtest du vor Ort erleben?
  • Welches Equipment (Sportgeräte und ähnliches) benötigst du dazu?

Aus deinen Antworten auf diese Fragen lässt sich bereits vieles ableiten. Ist eine gute Isolierung deines Wohnmobils wichtig, weil du gerne im Norden oder im Winter unterwegs bist? Ist ein geringer Spritverbrauch sinnvoll, weil du jährlich viele Kilometer abspulen möchtest? Planst du sehr lange Reisen, sodass sich ein mehr an Platz und Komfort bezahlt machen wird?

Groß oder klein, bequem oder praktisch?

Wer sein Wohnmobil für Städtetrips oder gar als Alltagsfahrzeug nutzen möchte, wird mit kompakten Campern besser bedient sein, als mit sehr großen Wohnmobilen. Wer sehr lange Reisen unternehmen möchte, wird hingegen ein Mehr an Komfort zu schätzen wissen.

Größere Wohnmobile bieten

  • mehr Stauraum,
  • meist mehr Platz im Bett und auf Sitzgelegenheiten,
  • mehr Komfort,
  • und dank des Platzes lässt sich auch mehr Zubehör unterbringen.

Doch auch kleine Wohnmobile haben ihre Vorzüge:

  • Sie sind wendig,
  • man kann kleine Camper in Innenstädten gut parken,
  • schmale Passstraßen bewältigen kompakte Wohnmobile problemlos,
  • und schlussendlich sie sind weniger auffällig.

Vergiss auch nicht, dass du große Wohnmobile oft aufgrund ihres Gewichts nur mit LKW-Führerschein fahren darfst.

Gewicht

Ein Punkt soll noch gesondert erwähnt werden, weil er bei der Auswahl des passenden Wohnmobils immer noch (zu) oft übersehen wird: Wohnmobile müssen sehr viel Equipment transportieren, und das Gewicht steigt mit jedem Ausstattungs-Element und mit jedem Element des notwendigen Wohnmobil-Zubehörs. Die mögliche Zuladung ist oft sehr gering. Ein voller Wassertank, Lebensmittel, Campingmöbel, mitreisende Personen: Am Ende steht oft die Überladung, die nicht nur teuer werden kann, sondern auch ein Sicherheitsrisiko darstellt. Deshalb sollte dieser Punkt unbedingt bereits bei der Auswahl berücksichtigt werden.

Der passende Wohnmobil-Typ

Bestimmt hast du schon von Campingbus, Kastenwagen, Teilintegrierten und weiteren Wohnmobil-Typen gehört. Damit bezeichnet man die Konstruktionsweise des Wohnmobils.

  • Campingbusse/Kastenwagen übernehmen eine Transporter-Karosserie aus Blech und werden im Innenraum wohnlich ausgebaut.
  • Beim Teilintegrierten wird stattdessen ein völlig neuer Aufbau hinter das Fahrerhaus gesetzt.
  • Alkoven haben zusätzlich noch eine Schlafgelegenheit über dem Fahrerhaus.
  • Vollintegrierte übernehmen überhaupt nur das Fahrgestell und bauen darauf auch das Fahrerhaus komplett neu auf.

Alle Kategorien haben individuelle Vor- und Nachteile.

Alkoven Wohnmobil am Strand

Dein Budget

Es bringt natürlich nichts, das ideale Wohnmobil zu finden, und dann festzustellen, dass der Preis das zur Verfügung stehende Budget um ein Vielfaches übersteigt. Deshalb bietet es sich vor der Auswahl an, ein Budget fürs Wohnmobil zu definieren, und die Wünsche während der Auswahl dann auch immer wieder mit dem Budget abzugleichen. Auch bei der Wohnmobil-Miete ist es sinnvoll, das Gesamtbudget für eine Reise auf ein Tagesbudget aufzuteilen, davon dann Essen/Eintritte usw. abzuziehen, um zu sehen, was für das eigentliche Wohnmobil übrigbleibt. Denn auch bei der Miete kosten einfache Campingbusse natürlich weniger, als große und luxuriöse Wohnmobile.

Denke auch unbedingt an

  • die notwendigen Versicherungen
  • den Winter-Unterstand
  • Wartungskosten
  • Wertverlust/Wiederbeschaffungskosten

Welche Ausstattung benötigst du?

Die allermeisten Wohnmobile bieten heute einiges an Basisausstattung:

  • Frisch- und Abwassertanks
  • Eine Küche mit Gaskocher und Spüle
  • Eine Nasszelle mit Dusche und Toilette (kann in kleinen Campingbussen auch fehlen)
  • Schlaf- und Sitzgelegenheiten
  • Eine Heizung für kühlere Tage

Je nach Größe und Wohnmobil-Typ unterscheidet sich aber die Ausprägung dieser Ausstattung. So muss man sich in kleinen Campingbussen auch mal mit 30 Litern Frischwasser begnügen, während große Wohnmobile Tanks für mehrere hundert Liter bieten können. In kompakten Campern ist der Umbau des Betts zur Sitzgelegenheit jeden Morgen an der Tagesordnung, während in größeren Mobilen ein Festbett und eine separate Sitzgruppe zur Verfügung steht.

Darüber hinausgehend kann im Wohnmobil natürlich auch (fast) jede Zusatzausstattung verwirklicht werden. Hier nur einige Beispiele:

  • Markise als Schattenspender für heiße Tage
  • Klima-Anlage (Achtung: Praktisch nur mit Landstrom nutzbar)
  • Backofen
  • Autarkie-Zubehör (Solar-Anlage, Stromgenerator, etc.)
  • Filteranlagen fürs Frischwasser

Die Wohnmobil-Technik

Für weniger technik-affine Camper ist die Menge an Technik im Wohnmobil zu Beginn etwas einschüchternd. Doch am Ende ist die Menge an unbedingt notwendigen Entscheidungen eigentlich überschaubar:

  • Entscheidungen zur Heizung, insbesondere die Frage: Gasheizung oder Dieselheizung?
  • Überlegungen zu Strombedarf, Anzahl und Typ der Aufbau-Batterien
  • Überlegungen zur Wasserversorgung im Wohnmobil

Campingplatz oder autark?

Die meisten Wohnmobil-Reisenden trifft man sowohl am Campingplatz, als auch auf Wohnmobil-Stellplätzen oder beim autarken Übernachten an. Doch viele Camper entwickeln im Laufe der Zeit eine Vorliebe in die eine oder andere Richtung. Wenn du deine Präferenzen schon kennst, kannst du das auch in die Wahl deines Wohnmobils einfließen lassen. Denn wer fast immer am Campingplatz steht, kann zum Beispiel Aufbau-Batterien und Wassertanks eine Nummer kleiner wählen, und spart dabei Kosten und Gewicht. Wer auf der anderen Seite vorwiegend autark stehen möchte, kann gar nicht genug Wasser und Strom haben, und muss sich dafür (wegen Budget und Gewicht) an anderer Stelle einschränken.

Kastenwagen parkt am Waldrand im Sommer

Das Basisfahrzeug

Ein Wohnmobil basiert auf Transportern, die man auch ohne Wohn-Ausbau kaufen könnte. Die häufigsten Basisfahrzeuge fürs Wohnmobil in Europa sind:

  • Fiat Ducato (der Platzhirsch)
  • Citroen Jumper
  • Peugeot Boxer
  • Mercedes Sprinter
  • VW Crafter

Außerdem werden auch Renault Master, MAN TGE, Iveco Daily und weitere genutzt.

Die freie Wahl des Basisfahrzeugs ist oft nur eingeschränkt möglich, wenn man die übrigen Rahmenbedingungen bereits fixiert hat. Wer hier also bestimmte Vorlieben hat oder gewisse Hersteller ausschließt, sollte sich bereits vorab ansehen, welche Wohnmobile überhaupt auf der gewünschten Basis zu bekommen sind.

Grundrisse und Raumaufteilung

Der Platz im Wohnmobil ist beschränkt, und diesen Platz ideal auszunutzen, ist eine Herausforderung für die Hersteller. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich einige Standard-Grundrisse herauskristallisiert, doch immer wieder weichen Hersteller mit einzelnen Modellen auch stark davon ab.

Wichtig ist beim Grundriss erstmal:

  • Eine ausreichende Anzahl an eingetragenen Sitzplätzen
  • Eine ausreichende Anzahl an Schlafplätzen für alle Reisenden
  • Genügend Stauraum

Diese Kriterien sollen jetzt natürlich in Einklang mit dem Wohlfühl-Faktor und den geplanten Nutzungsszenarien gebracht werden. Hier hilft ein Messebesuch oder das Mieten einiger Wohnmobile sehr.

Der Wohlfühlfaktor

Ein Wohnmobil soll Wohnraum unterwegs bieten. Daher kommt einem Faktor eine große Rolle zu, der sich nicht in Datenblättern findet oder beziffern lässt:

Im Wohnmobil sollte man sich wohlfühlen. Das ist höchst individuell, und hängt nur bedingt mit Ausbauqualität und Design zusammen. Wer einmal auf einer Campingmesse war, und sich durch viele Modelle gekämpft hat, kennt das Gefühl: In manchen Wohnmobilen fühlt man sich direkt nach dem Einsteigen wohl, in anderen weniger. Da hilft nur: Ausprobieren, und jedes Szenario durchdenken.

Ideal ist dafür natürlich auch eine Wohnmobil-Miete, wo sich das erste Gefühl dann auch über mehrere Tage festigen kann.

Qualität der Ausführung

Wohnmobile unterscheiden sich in ihrer Qualität oft beträchtlich. Doch wie erkennt man eine gute Qualität?

Das Gewicht der Materialien gibt zum Teil Aufschluss. Bei Scharnieren ist Metall gegenüber Kunststoff zu bevorzugen, und schwerere Möbelplatten sind oft auch widerstandfähiger. Doch es lohnt sich, beim Hersteller sich genauer über die Konstruktion zu erkundigen, denn es gibt heute auch haltbare Leichtbau-Techniken. Die Qualitätsanmutung lässt sich jedenfalls im Katalog nur sehr schwer, bei einer persönlichen Besichtigung aber recht gut aus dem Bauch beurteilen.

Design

Gefallen darf und soll das Wohnmobil natürlich auch. Anders als beim PKW ist es aber nicht sinnvoll, nur auf das äußere Erscheinungsbild Wert zu legen. Denn ein Wohnmobil ist primär Wohnraum, den man von innen genießt. So sind Stahlfelgen robuster und dem Einsatzzweck eventuell angemessener, als besonders schicke Räder. Aber auch hier gilt: Das ist höchst individuell, und man soll an seinem Wohnmobil natürlich Freude haben. Wenn da eine besonders tolle Lackierung oder sonstige Designelemente dazugehören, dann soll man natürlich auch darauf Rücksicht nehmen.

Fazit

Die Wohnmobil-Auswahl erfordert viele Überlegungen, ist mit der richtigen Anleitung aber durchaus zu schaffen. Wichtig ist, sich der eigenen Anforderungen bewusst zu werden, und dazu passend das richtige Wohnmobil auszuwählen. Eine strukturierte Vorgangsweise hilft dabei, denn für einen Kauf rein nach Bauchgefühl ist das Thema zu komplex.

Über den Autor

Ger­fried war schon als Drei­jäh­ri­ger im Camper mit dabei, und das Thema wollte ihn auch später nicht loslassen. Heute unterstützt er Wohnmobil-Neulinge mit Ratgeber-Artikeln und Reiseberichten bei ihrem Einstieg ins Thema auf WoMoGuide.de und ist seit 2020 neu auch auf YouTube unter vertreten.

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